Antiaggressionstraining – Was ist das?

Unter Antiaggressionstraining versteht man in der Regel ein Training bei dem man Techniken und Strategien erlernt mit denen man Aggressionen bewältigen kann.

Übersicht:

Wie läuft ein Antiaggressionstraining ab?

Es gibt keine eindeutige Festlegung was in ein solches Antiaggressionstraining beinhaltet. Daher gibt es zahlreiche verschiedene Angebote von Antiaggressionstrainings. Sie unterscheiden sich in ihrem Ablauf und den Inhalten. Außerdem unterscheiden sich die Angebote je nach Zielgruppe (Kinder, Jugendliche und Erwachsene).

Meist verfolgen die Anti-Aggressionskurse jedoch das gleiche Ziel: Aggressionen abbauen durch Übungen und das Erlernen von neuen Strategien.

Viele Trainer und Kurse machen dazu von diesen Methoden Gebrauch:

1. Entspannungsübungen:

Hier erlernst du die Anspannung in deinem Körper frühzeitig zu erkennen und zu lindern. Dazu eignest du dir im Antiaggressionstraining Entspannungstechniken wie zum Beispiel das Autogene Training an. Im Autogenen Training lernst du wie du die Muskelpartien deines Körpers kontrollieren und entspannen kannst. Dazu gehören auch Atemübungen und das Aneignen einer mentalen Gelassenheit.

2. Gewaltfreie Kommunikation:

Oft entstehen Situationen mit Aggressionspotential durch Probleme in der Kommunikation. Eine ungeschickte Wortwahl kann unsere Mitmenschen verletzen. Außerdem können einfache Gespräche dadurch leicht zu hitzigen Diskussionen werden. Daher ist das Erlernen von wertschätzender Kommunikation mit unseren Mitmenschen ein essentieller Bestandteil im Anti-Aggressionstraining. Diese wird oft in Rollenspielen geübt.

3. Sport zum Aggressionsabbau:

Aggression SportViele Kursangebote beinhalten Übungen mit denen man Aggressionen kontrolliert rauslassen kann. Hierzu eignen sich beispielsweise Übungen aus Kampfsportarten wie Boxen und Tai Chi. Mit Hilfe von Trainern kann man lernen wie man mit seiner Körperkraft umgehen kann, ohne andere Menschen dabei zu verletzen. Dies vermittelt außerdem ein besseres Körpergefühl und hilft dabei die eigene Kraft besser einzuschätzen.

Andere Sportarten können einen entspannenden und beruhigenden Effekt auf aggressive Menschen haben. Hierzu gehören zum Beispiel: Schwimmen, Yoga, Joggen oder Tanzen.

4. Kooperation in der Gruppe:

Da das Anti-Aggressionstraining häufig in Gruppen stattfindet, wird auch die Zusammenarbeit erlernt. Im kooperativen Spiel lernen Kinder und  Erwachsene, dass man zusammen mehr erreichen kann als allein. Dabei ist neben Kooperation auch gegenseitiges Vertrauen gefordert.

5. Umgang mit Provokation:

Aggressives Verhalten wird oft durch Provokation ausgelöst. Wenn du ein hohes Aggressionspotential hast kann es schnell passieren, dass du dich provoziert fühlst oder gar überreagierst. In einem Antiaggressionstraining lernst du wie du mit Provokation umgehen kannst. In Angeboten für richterlich angeordnete Aggressionstrainings, wie zum Beispiel dem Anti-Aggressivitäts-Training nach Weidner, wird dazu oft der „heiße Stuhl“ durchgeführt. Bei dieser Übung werden die Teilnehmer auf einem Stuhl in der Mitte der Gruppe verbal konfrontiert.

6. Die eigenen Aggressionen erkennen und verstehen

Auch das Theoretische Wissen über Aggressionen wird Teilnehmern beim Anti-Aggressionstraining vermittelt. Ziel ist es die Ursachen der eigenen Aggressionen zu verstehen und gezielt Lösungen zu finden. Dabei hilft beispielsweise das führen eines Aggressions-Tagebuchs.

Das Aggressions-Tagebuch kannst du übrigens auch selbst zu Hause führen. Hier findest du eine Anleitung und eine Vorlage des Aggressions-Tagebuchs.

Auf unserer Startseite findest du außerdem Tipps und Strategien die du kostenlos zu Hause üben kannst zum Aggressionen abbauen.


Für wen ist ein Antiaggressionstraining geeignet?

Ein Antiaggressionstraining kann für viele in Frage kommen. In manchen Fällen wird es von einem Richter angeordnet. Dies ist der Fall, wenn ein angeklagter mit aggressivem Verhalten straffällig geworden ist. Dann wird häufig das Anti-Aggresivitäts-Training nach Weidner verordnet.

Aber auch Menschen die keine Straftat begangen haben entscheiden sich oft zur Teilnahme an einem regulären Antiaggressionskurs. Es gibt individuell angepasste Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wenn du das Gefühl hast, dass dein aggressives Verhalten zu häufig auftritt und dich in deinem Lebensalltag einschränkt, könnte ein Training hilfreich sein.

Wenn die Aggressionen überhand nehmen und du die Kontrolle darüber verlierst, könnte eine tieferliegende Ursache dafür verantwortlich sein. Bei schwerem und länger andauerndem aggressivem Verhalten könnte beispielsweise eine Verhaltensstörung vorliegen. Das diagnostische Handbuch der „American Association of Psychology“  (DSM-IV) beschreibt eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung, welche von einem Therapeuten behandelt werden sollte.

Weitere häufige Ursachen die schwerer Aggresivität unterliegen sind:

  • Hormonstörungen
  • Wechseljahre
  • Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts Syndrom
  • Chronischer Stress
  • Mobbing (in der Schule oder am Arbeitsplatz)
  • Schlafmangel

Besteht der Verdacht, dass eine dieser Ursachen vorliegt, sollte dringend ein Arzt konsultiert werden. Dabei ist die erste Anlaufstelle meist der Hausarzt. Dieser kann anschließend zu entsprechenden Spezialisten überweisen. In diesen Fällen ist meist eine Aggressions-Therapie ratsam. Diese wird mit Hilfe eines Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt und beschäftigt sich ausgiebig mit den Symptomen der betroffenen Person.


Was ist der Unterschied zwischen Aggressionstraining und Aggressions-Therapie?

Das Anti-Aggressionstraining wird von vielen verschiedenen Institutionen Angeboten und auf Zielgruppen abgestimmt. Die Gruppengrößen unterscheiden sich, behandeln aber meist mindestens 5 Teilnehmer zugleich. Dabei liegt der Fokus auf dem Training von Strategien und sozialen Kompetenzen. Die Kursleiter sind oft Experten und ausgebildete Aggressions-Trainer.

Für Menschen mit schweren Aggressionen, welchen möglicherweise eine Persönlichkeitsstörung zu Grunde liegt, eignet sich die Aggressions-Therapie. Diese wird im Einzelgespräch mit einem Approbierten Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt. Diese analysieren die Ursachen des problematischen Verhaltens genauer. Dabei arbeiten die verschiedenen Psychotherapeuten nach unterschiedlichen Ansätzen. Wird die Therapie vom Arzt verschrieben, dann kann sie oftmals auch von der Krankenkasse übernommen werden.


Wo finde ich ein geeignetes Anti-Aggressionstraining?

In großen Städten wie Berlin, Hamburg oder München ist es einfach Angebote zu finden und man kann oft zwischen verschiedenen Trainings wählen.

Wer ein Antiaggressionstraining für Kinder sucht, für den sind Schulen, Jugendhäuser und  Jugendhilfe Einrichtungen gute Anlaufstellen.

Auf der Suche nach dem geeigneten Antiaggressionstraining solltest du darauf achten, dass das Angebot seriös ist. Dabei solltest du die folgenden Kriterien hinterfragen:

    • Wird der Kurs von geschulten Experten angeboten?

→ Seriöse Trainer können meist Zertifikate vorweisen. Sie informieren dich gerne darüber, wie sie ihr Fachwissen erlernt haben, und welche Ausbildungen und Lehrgänge sie dafür absolviert haben.

    • Passt die Gruppengröße zu deinen Bedürfnissen?

→ Die Gruppengröße unterscheidet sich je nach Altersgruppe und Art von Aggression. In zu großen Gruppen kommt man schnell zu kurz und kann nicht gezielt betreut werden. Eine guter Trainer lädt in der Regel nicht mehr als 20 Teilnehmer zugleich ein.

    • Passt das Training zu deinen Bedürfnissen?

→ Die verschiedenen Antiaggressionstrainings können sich in ihrer Art und Intensität unterscheiden. Du solltest dich daher über den Schwerpunkt des Angebotenen Kurses informieren. Manche Kuse sind für Teilnehmer geeignet, die körperliche Aggressionen in den Griff bekommen möchten. Andere Menschen neigen hingegen dazu, ihre Mitmenschen zu beschimpfen. In diesem Fall sollte der Kurs auch Kommunikationstraining beinhalten.


Was kostet das Training?

Was kostet Antiagressionstraining?Die Kosten für ein Training unterscheiden sich je nach Umfang und Intensität des Kurses. Einige Angebote werden von den Teilnehmern selbst bezahlt, unter Umständen gibt es aber auch kostenlose oder relativ günstige Angebote. Dafür lohnt es sich oft bei karitativen Verbänden und kirchlichen Institutionen in der Umgebung nachzufragen. Kurse, die in größeren Gruppen angeboten werden sind oft günstiger als Einzelsitzungen. Für Kinder gibt es manchmal sogar kostenlose Angebote (zum Beispiel in der Schule).

Anders ist es bei einer Therapie durch einen psychologischen Psychotherapeuten. Diese sind allerdings nur für Menschen geeignet, bei denen eine Persönlichkeitsstörung vorliegt. Wenn die Vermutung besteht, dass eine solche Störung vorliegt, dann sollte dies dem Hausarzt mitgeteilt werden. Wenn dieser es für notwendig hält, wird er dich zu einem Psychotherapeuten mit Kassenzulassung überweisen. Wenn der Therapeut tatsächlich eine Persönlichkeitsstörung feststellt, wird die Therapie meist von der Krankenkasse übernommen.

Die Leistungen der Krankenkasse sind unterschiedlich. Es lohnt sich daher immer bei der Krankenkasse anzurufen und sich direkt zu informieren.


Warum Aggressionen nicht generell schlecht sind

Aggressionen ablassenProblematisch wird es dann, wenn sich die Aggressionen aufstauen und irgendwann in unkontrollierten Handlungen entladen.

Ein Antiaggressionstraining hilft in solchen Fällen. Denn dort lernt man nützliche Strategien und Techniken, um Aggressionen abzubauen bevor es zu unkontrollierten Wutausbrüchen, Ausrastern oder gar straffälligem Verhalten kommt. Hier werden Aggressionen nicht etwa unterdrückt, sondern durch körperliche Aktivitäten abgebaut.

Viele Antiaggressionstrainings umfassen daher Übungen mit denen man Aggressionen kontrolliert rauslassen kann.


Übrigens gibt es viele hilfreiche Übungen mit denen du selbst zu Hause Aggressionen abbauen kannst.  Hier findest du weitere Tipps zum Aggressionen abbauen

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